PRAXIS-SPEZIAL zu Teil 1 – Mit der FOKUSrecruit Methode wirksam und effizient Personal gewinnen

PRAXIS-SPEZIAL zur FOKUSrecruit Podcast Folge #001

Lieber Leser, liebe Leserin,

in diesem Beitrag erfahren Sie, wie die Umsetzung von Teil 1 der FOKUSrecruit Methode erfolgreich in der Praxis angewendet wird.

Die Suche nach dem Doppelgänger und die Folgen

Vielleicht kennen Sie die Situation? Ein besonders wertvoller Mitarbeiter verlässt das Unternehmen. Und oft genug entsteht eine beinahe unüberbrückbare Lücke. Wertvolles Know-how, ein weitreichendes Kontakt-Netzwerk und spezielles Wissen, welches selten dokumentiert wurde, gehen gefühlt für immer verloren. Besonders in kleinen und mittelständischen Unternehmen, in denen Mitarbeiter nicht nur eine spezielle Rolle innehaben oder ein abgegrenztes Aufgabengebiet bearbeiten, schmerzt der Weggang besonders stark.

Zusätzlich ensteht Unruhe, Unbehagen und im ein oder anderen Fall auch spürbare Schmerzen über den Verlust. Und im Hintergrund schwingt immer die Frage mit: Wie soll es jetzt weitergehen?

Doch ist der erste Schock überwunden, ist die Lösung nah und der Ruf nach einem „gleichwertigen Ersatz“, dem sprichwörtlichen Doppelgänger, wird immer lauter. Das ist völlig menschlich und normal.

Die Lücke soll schnell geschlossen werden um die gewohnte Ordnung wiederherzustellen. Dann kehrt wieder Ruhe und Frieden ein, so der sehnlichste Wunsch, der den Wenigsten wirklich bewusst ist. Er spiegelt sich jedoch in den Handlungen und Äußerungen wieder, wie das nachfolgende Anforderungsprofil aus der Praxis zeigt. Das waren die Aufgaben vom Vorgänger, für den „…am besten sofort, ein gleichwertiger Ersatz…“ benötigt wird.

Grundsätzlich ist ein solcher Wunsch nicht verkehrt. Selbst wenn er in Erfüllung gehen könnte, ist er mit gewissen Nachteilen verbunden, wie das nachfolgende Beispiel zeigt. Hinzu kommt, dass sich ein Unternehmen auch weiterentwickeln möchte. Und wie kann das mit Mitarbeitern erreicht werden, die immer nur „ersetzt“ werden sollen?

Praxis Beispiel 1

Vorher

Anwendungstechniker (m/w)

Aufgaben:

  • Betreuung und Beratung von Kunden im In- und Ausland
  • Unterstützung des Außendienstes
  • Durchführung von Fehlerdiagnosen
  • Lösung und Durchführung spezieller Kundenanforderung
  • Durchführung von Schulungen
  • Datenauslesung vor Ort
  • Enge Zusammenarbeit mit dem Verkauf und dem Produktmarketing hinsichtlich der Kundenanforderungen

Profil:

  • Technikerausbildung
  • Mehrjährige Berufserfahrung
  • Umfassende Applikationskenntnisse in der Wasser- Wärmeversorgung und Produktentwicklung
  • Sehr gute Kenntnisse von Eigen- und Wettbewerbsprodukten
  • Kenntnisse über einschlägige Normen und Vorschriften
  • Grundkenntnisse im Produkthaftungs-, Vertrags- und Patentrecht
  • Gute MS Office-Kenntnisse insbesondere PowerPoint
  • Fähigkeit, sich in neue Produkte und technische Verfahrensweisen schnell und umfassend einzuarbeiten
  • Erstklassige Kommunikationsfähigkeiten, gute Umgangsformen
  • Verhandlungsgeschick
  • Hohes Engagement, Kreativität beim Erstellen neuer Lösungskonzepte
  • Hohe Reisebereitschaft
  • Gute Englischkenntnisse

Nachher

Anwendungstechniker (m/w) Kommunikationstechnik Wärme- und Wasserzähler

Ihre Aufgaben:

  • Als Anwendungstechniker betreuen, beraten und schulen Sie bundesweit unsere Kunden bei der Anwendung und dem Einsatz unserer Produkte. Zum Beispiel beim Auslesen von Zählerdaten
  • Sie unterstützen diese z. B. beim Installieren von Software oder bei der Inbetriebnahme von Fernauslese-Systemen (Kabel und Funk)
  • Dabei macht der telefonische Support ca. 50 Prozent Ihrer Arbeit aus. Im Durchschnitt sind Sie 1 Mal pro Woche beim Kunden vor Ort
  • Ihre Touren vor Ort planen Sie eigenständig und gestalten Ihre Termine eigenverantwortlich und flexibel
  • Gelegentlich unterstützen Sie die Kollegen vom Außendienst bei internationalen Messeauftritten oder Kundenterminen

Wir wünschen uns von Ihnen:

  • Sie haben eine Ausbildung als Techniker mit Kenntnissen im mechatronischen Bereich, Heizungs- oder Klimatechnik, Wasserversorgung
  • Alternativ bringen Sie diese Kenntnisse über eine ähnliche Qualifizierung mit z. B. technischer Aussendienst, Servicetechniker, Lehrtätigkeit o. ä.
  • Für knifflige Aufgaben finden Sie gern passende Lösungen und haben Spaß dabei “um die Ecke zu denken”
  • Mit den MS Office Programmen(Word, Excel) gehen Sie souverän um
  • Sie sind dienstleistungsorientiert und arbeiten gern zuverlässig und eigenständig
  • Gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift runden Ihr Profil ab. Diese helfen Ihnen dabei, Dokumentationen in englischer Sprache zu lesen und zu verstehen.

Drei Einflussgrößen im Fokus

Klarheit im Stellentitel

Gibt ein Suchender in Google oder einer Job-Metasuchmaschine (z. B. Indeed, Jobrobot) den Begriff Anwendungstechniker ein, erhält er eine Vielzahl an Angeboten.

Dabei gibt es gerade in diesem Bereich sehr viele Einsatzmöglichkeiten. z. B.

  • Anwendungstechniker (m/w) Messtechnik in Werkzeugmaschinen
  • Anwendungstechniker (m/w) Prüftechnik
  • Anwendungstechniker (m/w) in der Produktadapotion
  • Anwendungstechniker (m/w) Zerspanungstechnik
  • Anwendungstechniker (m/w) Oberflächentechnik

u. s. w.

Wenn der Suchende Glück hat, sind die Schwerpunkte klar betitelt.

Doch die Masse der Angebote auf Unternehmensseite ist unspezifisch und sucht nur den Anwendungstechniker (m/w). Das bedeutet, um den passenden Fachbereich/Schwerpunkt zu finden, muss ein Suchender jede Menge Angebote durchklicken, um einen Treffer im gewüschten Bereich zu landen. Das kann nerven. Besonders dann, wenn jemand nicht aktiv auf Suche ist, ist der Absprung schnell gemacht, weil die Suche weder notwendig, noch dringend ist. Damit verlieren Unternehmen häufig interessante Kandidaten. Und das nur, weil der Stellentitel nicht zum Suchverhalten des Kandidaten passt.

Ein weiterer Vorteil einer klaren Positionierung im Stellentitel ist, Kandidaten von einer Bewerbung fern zu halten, die nicht über die gewünschte Qualifikation verfügen. Das ist besonders wichtig, wenn beim Schalten von Stellenangeboten nach einem Cost per Click Modell abgerechnet wird. Zusätzlich entsteht Aufwand, der in der Regel nichts bringt.

Fokus auf relevante Hauptaufgaben und Tätigkeiten

Beim Vergleichen der Profile werden die angewendeten Parameter der Fokussierung deutlich. Zum Beispiel wurde herausgearbeitet, bei welchen Tätigkeiten es sich um Haupt- und Nebentätigkeiten handelt. Damit wird auch einem Interessenten klar, dass „…der telefonische Support ca. 50 Prozent Ihrer Arbeit…“ ausmacht. Wenn genau das jemandem Spaß macht und zu seiner Qualifikation passt ist das ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Das Angebot muss natürlich auch passen. Dazu mehr in einem der kommenden Beiträge. 

Auch wurden die Aufgaben und  sich daraus ergebenden Anforderungen präzisiert. Damit wird nicht nur einem potenziellen Kandidaten klar, was auf ihn/sie zukommt. Zum Beispiel beim Thema Reisebereitschaft. Hier wird deutlich, wie oft ein Kandidat/Kandidatin unterwegs sein wird.

Damit verbessert sich vor dem eigentlichen Auswahlprozess für beide Seiten das Matching.

Fokus auf den Arbeitsmarkt

Der ursprüngliche Wunschkandidat  als „ebenbürtiger Nachfolger“sollte folgende Kenntnisse mitbringen:

  • Umfassende Applikationskenntnisse in der Wasser- Wärmeversorgung und Produktentwicklung
  • Sehr gute Kenntnisse von Eigen- und Wettbewerbsprodukten
  • Kenntnisse über einschlägige Normen und Vorschriften
  • Grundkenntnisse im Produkthaftungs-, Vertrags- und Patentrecht

Grundsätzlich keine große Herausforderung, wenn man entsprechend bereit ist, den Preis der Personalgewinnung zu zahlen. Was bedeutet das konkret? Hier hilft folgende Frage weiter: Woher soll der Kandidat/Kandidatin mit einem solchen Profil kommen?

Mit den geforderten Kenntnissen kann der Kandidat /-in in der Regel nur direkt vom Wettbewerb kommen. Wenn das klar ist, können weitere Fragen im Prozess weiterhelfen, um bessere Entscheidungen zu treffen:

  • Welche Wettbewerber kommen genau in Frage?
  • In welchem Umkreis befinden sich diese?
  • Warum sollte jemand zu mir wechseln?
  • Bin ich bereit den Preis dafür zu zahlen?
  • Will ich überhaupt jemanden vom Wettbewerb einstellen?
  • Handelt es sich bei den Kenntnissen um Muss- oder Kann-Kriterien? (must-have, nice-to-have)
  • Welche Alternativen gibt es?

Und viele mehr.

Das Unternehmen hat sich gegen diesen Weg entschieden und aus diesem Grund das Anforderungsprofil an eine alternative Zielgruppe angepasst.

Praxis Beispiel 2

Vorher

Nachher

Auszug wichtiger Parameter im Fokus

Hauptaufgaben abgeleitet aus den Unternehmenszielen

Aufteilen der Tätigkeiten in Haupt- und Nebentätigkeiten

Auswirkungen in der Praxis

In beiden Beispielen hatten nicht nur die Entscheider ein klareres Bild von den Anforderungen und gewünschten Ergebnissen. Auch potenzielle Interessenten konnten besser entscheiden, ob das Angebot passt. Damit ist der Grundstein für ein wirksames und solides Recruiting-Projekt gelegt.

Wenn man alle relevanten Anforderungen einer Stelle berücksichtigt, ergeben sich folgende Bestandteile und Kriterien eines Anforderungsprofils:

  • Formal
  • Fachlich
  • Persönlich
  • Muss-/Kann

Präzision erfordert Zeit und Geduld – Wie sich der Zeitaufwand rechnet
In der Regel wenden Entscheider ca. 10 bis 15 Minuten auf, um ein „Doppelgänger“ Profil zu erstellen. Oder holen, wie in unserer Podcast Folge #001 bereits erwähnt, das Anforderungsprofil vom alten Stelleninhaber aus der Schublade. Die Folge einer solchen Arbeitsweise spiegelt sich schnell in den Ergebnissen wieder. Wenn jemand damit zufrieden ist, ist das völlig in Ordnung. Wenn nicht, zahlt sich der zusätzliche Zeiteinsatz von ca. 30-40 Minuten schnell aus.

Von folgenden Vorteilen können Entscheider profitieren. Ein klares Anforderungsprofil:  

  • Bildet die Grundlage für die Beschreibung im Jobangebot
  • Schafft die Basis für die Auswahl der richtigen Kandidaten
  • Erhöht die Passgenauigkeit bei der Ansprache
  • Erhöht die Geschwindigkeit im gesamten Beschaffungsprozess
  • Sichert einen effizienten Einsatz der Ressourcen und Budgets
  • Verringert Fehlbesetzungen durch falsche Vorstellungen bei Aufgaben und Ergebnissen

FAZIT

Ein präzises Anforderungsprofil ist der MATCH vor dem MATCH.
Wem es von Anfang an gelingt, sich auf das zu fokussieren, was wirklich gebraucht wird und dem Erreichen der Unternehmensziele dient, wird eine solide Basis für effiziente und tragfähige Beschaffungs-Lösungen geschaffen.

Gleichzeitig wird die größte Gefahr im Recruitingprozess gebannt: Der Verlust wertvoller Zeit! Weil man sich z. B. nicht auf die Suche nach Kandidaten macht, die keinen echten Vorteil oder Mehrwert bieten.

Schritt für Schritt wirksam und effizient Mitarbeiter gewinnen

Mit diesen 7 Schritten arbeiten wir erfolgreich in Kundenprojekten. Wenn Sie Ihren Beschaffungsprozess optimieren wollen, schreiben Sie uns eine Mail an info@diemehrwertfabrik.de

Sie wollen Ihre Beschaffungsprozesse in Eigenregie verbessern?
Demnächst finden Sie einen ausführlichen RECRUITING-CHECK zur Selbstoptimierung in unserem Verlags-Shop.

Nächste FOKUSrecruit Podcast Folge

In der nächsten Podcast Folge am 24.08.2018 nehmen wir in Teil 2 das O der FOKUSrecruit Methode genauer unter die Lupe. Ich freue mich, wenn Sie wieder dabei sind.

Bleiben Sie bis dahin neugierig und immer am Puls des Marktes.

Ihre Bianca Traber

Die Autorin: Bianca Traber

Nur in die Praxis umgesetzte Ideen bilden die Basis für reale Erfolge. Alles andere sind noch Wünsche oder Ziele. Aus diesem Grund berichte ich im Best-Practice-Blog über spannende Menschen und Unternehmen, die Ihre Projekte und Ideen erfolgreich umgesetzt haben. Auch interessante Fachbeiträge  helfen dabei, aktuelle Herausforderungen im Praxis-Alltag einfacher und sicherer zu meistern. Es würde mich freuen, wenn Sie dadurch neue Impulse erhalten, um zeitnah Ihre Wünsche und Ziele zu verwirklichen

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