Erste Schritte auf dem Weg zum Azubi Blog

Bildquelle: www.gratisography.com

Ein Gastbeitrag von Felix Behm inklusive Checkliste für den Start

In diesem Beitrag erhalten Sie wichtige Praxis-Tipps zum Thema Azubi-Blogs:

  1. Nutzen
  2. Inhalt und Beispiele aus der Praxis
  3. Kosten und benötigtes Know-how
  4. Checkliste Erste Schritte

Definition Azubi-Blog

Ein Azubi-Blog besteht zunächst einmal aus der Zusammensetzung der Begriffe Auszubildende und Weblog und bedeutet etwa Auszubildenden-Tagebuch. Es wird online geführt (deshalb die Vorsilbe WEB) und ist in der Regel für jeden Internetnutzer frei zugänglich.

Die Autoren eines solchen Blogs nennt man Blogger (von Weblogger). Diese Möglichkeit des Online-Tagebuches gibt es bereits seit den 90er Jahren. Doch erst Mitte der 2000er steigt die Zahl der Veröffentlichungen solcher Blogs exponentiell an. Mit über derzeit 200 Millionen Blogs weltweit sprechen wir über eine der einflussreichsten Möglichkeiten Internetnutzer zu erreichen. Auch wenn damit größtenteils Privat-Blogger gemeint sind, wächst die Anzahl der Unternehmens-Blogs stetig.

Solche Unternehmens-Blogs können z. B. sein:

  • CEO-Blogs
  • Knowledge-Blogs
  • Karriere-Blogs
  • Azubi-Blogs

Während bei den CEO-Blogs – wie sich vermuten lässt – Führungspersonen des Unternehmens selbst bloggen (also Artikel schreiben), dient der Knowledge-Blog als Möglichkeit, um personen- oder projektbezogenes Wissen unternehmensintern zu speichern und für alle Mitarbeiter zugänglich zu machen. Der Karriere-Blog – und im speziellen der Azubi-Blog – sind durchaus als eine Art Marktkommunikation zu sehen und für die Personalarbeit von hohem Stellenwert.

Auszubildende berichten in einem Azubi-Blog über alles, was sie in ihrer Ausbildung und im Unternehmen bewegt, begeistert und gegenseitig weiterbringt sowie von Interesse beim externen Leser ist. Im weitesten Sinne ersetzt (oder ergänzt) ein Azubi-Blog das schwarze Brett, den „Flurfunk“ und die Mitarbeiterzeitung.

Warum ein Azubi-Blog?

Die Bedürfnisse der jungen Menschen haben sich in den letzten Jahren enorm verändert. Wir sind in einem Wandel vor allem technischer Natur, bei dem viele Unternehmen Probleme haben, Schritt zu halten. Die Generation Z will wieder mehr Aufmerksamkeit und ist anspruchsvoller als jede andere Generation zuvor. Und das liegt nicht zuletzt am demografischen Wandel, der ungeahnte Möglichkeiten für den Bewerber bei der Auswahl des Ausbildungsbetriebes mit sich bringt.

Soziale Medien wie derzeit YouTube, Instagram und Snapchat laden ein in eine Welt unbegrenzter Möglichkeiten und technischer Spielereien. Jugendliche messen sich mit Selfies, Videos und Posts in ihren Accounts.

Die Folgen fürs Azubi-Marketing

Nur wer kreativ ist und regelmäßig für die Zielgruppe interessanten Inhalt postet, wird beliebt und erreicht mehr Reichweite in der Social Media Welt – eine Welt, die komplett anders tickt, als wir uns das vor wenigen Jahren noch hätten vorstellen können. Und genau deshalb, liebe Personalverantwortliche und Ausbilder, ist dieses Potential unserer jungen Mitarbeiter zu nutzen und die Stärken zu bündeln, um neue Auszubildende zu generieren. Große Unternehmen wie bspw. Otto machen es vor. Sie übertragen die Aufgabe, das Unternehmen online attraktiv zu präsentieren, deren Auszubildenden. Nicht nur weil diese besonders Internetaffin sind, sondern auch genau wissen, wie die Jugend heute tickt und was sie interessiert. Und ein spannendes und wichtiges Instrument ist hierbei der Azubi-Blog.

Inhalt und Beispiele

Die nachfolgenden Beispiele von ausgewählten Azubi-Blog-Posts zeigen einige von vielen Möglichkeiten der Themenauswahl eines Blogs.

Ausgebildete Azubis mit Abschlusszeugnis in der Hand, lächelnd und voller Freude, die Ausbildung erfolgreich in der Tasche. Oder Azubis beim Vorbereiten eines Mitarbeiterevents. Beides zeigt Anerkennung und Wertschätzung seitens des Unternehmens, das mit jedem Beitrag und dessen Veröffentlichung genau das wiederspiegelt. Und darüber hinaus zählt natürlich das gerade entstehende Image für das Unternehmen. Oder besser gesagt. Es unterstreicht die Tatsache, dass dieses Unternehmen offensichtlich die Ausbildung ernsthaft investiert und diese ernst nimmt.

Außer solchen besonderen Unternehmensereignissen bloggen Azubis aus ihrem Arbeitsalltag und stellen dadurch die Arbeitsatmosphäre ganz persönlich dar. Ein Blog kann gerne auch verschiedene Dinge im Unternehmen kritisch betrachten. Das macht es authentischer. Achten Sie aber immer darauf, sogenannte Blogrichtlinien festzulegen, die unternehmensweit gelten (z.B. was darf veröffentlicht werden, Bilder etc.).

Einige Beispiele zur Themenauswahl:

  • Einblicke in die tägliche Arbeit der Azubis
  • Erreichte Meilensteine in der Ausbildung
  • Vorstellung neuer Azubis und Praktikanten
  • Erfahrungsberichte und Vorstellung von Projekten
  • Ausflüge und Teamevents
  • Besondere Unternehmensereignisse
  • Geburtstage
  • Hinweise und Tipps zur Bewerbung auf Ausbildungsstellen
  • Schulereignisse, -ausflüge, -prüfungen
  • Messen, Tag der offenen Tür, Azubi-Veranstaltungen (Bsp. Girlsday etc.)
  • Auslandseinsätze der Azubis
  • Einsätze an anderen Standorten
  • Vorstellungen bestimmter Abteilungen oder Mitarbeiter
  • Einblicke in die Arbeit verschiedener Unternehmensabteilungen
  • Hinweise und Erfahrungsberichte interner Richtlinien und Regelungen
  • Pausengestaltung und Mittagessen
  • Lerntipps

Die Länge eines Artikels hängt vom zu berichtenden Thema ab, sollte aber die Marke von 4.000 Zeichen nicht überschreiten (ca. 1,5 Seiten). Bei besonders inhaltlich umfangreichen Beiträgen darf es natürlich mehr sein. Achten Sie aber darauf, dass ein klassischer Beitrag innerhalb von 5 Minuten zu lesen ist.

Achten Sie bei der Auswahl der Themen auf eine Strukturierung (Redaktionsplan). Das Interesse des Lesers wird schwinden, wenn er fünf aufeinanderfolgende Blog-Einträge zum Thema Prüfung liest, nur weil die Azubis gerade in der Prüfungsphase sind.

Beispiele von Azubi-Blog-Posts

Azubi-Blog OTTO

Quelle: https://www.otto.de/unternehmen/azubiblog/blog/archiv/azubis-planen-eine-weihnachtsfeier.php

Azubi-Blog Berliner Wasserbetriebe

Quelle: http://www.ausbildung.bwb.de/blog/der-tag-der-ausbildung/

Azubi-Blog Sparkasse Heilbronn

Quelle: https://www.ksk-hn-aktion.de/azubiblog/blog/

Nutzen

Mit folgenden Aspekten kann der Nutzen eines Azubi-Blogs unterstrichen werden:

  1. Azubi-Blogs sind zu einem wichtigen Bestandteil des Ausbildungsmarketings geworden. Sie machen potentielle Bewerber auf das Unternehmen aufmerksam, sind im Vergleich zu anderen Marketingmaßnahmen kostengünstig und erweitern die Reichweite des Unternehmens enorm.
  2. Sobald Azubis Blog-Artikel schreiben, müssen Sie sich mit dem Unternehmen und den Prozessen im Detail beschäftigen und das Kerngeschäft kennen. Das bringt Ihrem Unternehmen den Nutzen von gut vorbereiteten zukünftigen Fachkräfte, deren soziale Komponente ebenfalls gestärkt ist.
  3. Mit einem Blog schaffen Sie einen inhaltlichen Grundstein, um weitere Kanäle im Internet zu bespielen und somit auf sich und Ihr Unternehmen aufmerksam zu machen. Selbstverständlich können Blog-Artikel auch (in veränderter Form) für den firmeneigenen Instagram-Account genutzt werden, auf der Unternehmen-Fanseite in Facebook platziert werden und Videos darüber in YouTube (das sind dann Vlogs) veröffentlicht werden. Der zusätzliche Zeitaufwand ist eher gering, da die Grundarbeit gemacht ist.
  4. Blogs haben im Vergleich zu Unternehmenswebseiten ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit. Einblicke in die Arbeit der Auszubildenden stoßen bei jedem potentiellen Bewerber auf Interesse. Die Beschreibung der Arbeit eines Azubis im Unternehmen gibt authentische nachvollziehbare Einblicke. Das Image des Unternehmens wird dadurch aufgewertet und poliert.
  5. Veröffentlichte Artikel schaffen das „Wir-Gefühl“ und stärken den Teamgeist. Gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung steigert die Produktivität Ihrer Auszubildenden.
  6. Mit Blogs können Sie natürlich ebenso gut rekrutieren, zum Beispiel indem Sie an Artikel den Link zu aktuell offenen Stellen im Unternehmen anhängen.
  7. Vorteile gegenüber der Konkurrenz. Versetzen Sie sich einmal in die Lage eines jungen Menschen, der dem großen Schritt in die Berufswelt gegenübersteht und nun zwei Unternehmen gefunden hat, die beide den Beruf ausbilden, den er gerne erlernen möchte. Das erste Unternehmen bietet die klassischen Informationen von der Stellenanzeige, Informationen zum Unternehmen sowie die Namen der Ausbildungsverantwortlichen. Das zweite Unternehmen stellte darüber hinaus noch einen Azubi-Blog zur Verfügung, den es direkt auf der Karriere-Website verlinkt und zeigt dort die aktuellsten Aktivitäten der Azubis, Bilder, Geschichten, Infos und vieles mehr. Innerhalb kürzester Zeit hat dieses Unternehmen das Vertrauen des Interessenten gewonnen und ihn bereits emotional von sich überzeugt. Die Entscheidung ist gefallen.

Kosten und benötigtes Know-how

Auch hierzu die wichtigsten Punkte für Sie zusammengefasst:

  1. Die Größe des Unternehmens beziehungsweise die Anzahl der Auszubildenden spielt bei den Kosten eine entscheidende Rolle. Je mehr Auszubildende Sie zur Verfügung haben, desto eher lässt sich ein regelmäßig geführter Blog bei Ihnen installieren.
  2. Bei der Wahl des richtigen Blog-Systems können Sie zwischen kostenlosen und kostenpflichtigen Systemen wählen. Grundsätzlich steht Ihnen hier die Möglichkeit der Cloud-Lösung oder der Blog-Software zur Verfügung. Lassen Sie sich zu allen Vor- und Nachteilen von Ihrer EDV-Abteilung oder Webseiten-Administrator beraten.
  3. Ein Blog kann erfolgreich – wie es einige Unternehmen bewiesen haben – von den Azubis zum großen Teil selbst gestaltet und verwaltet werden. Wichtig sind jedoch die zukünftigen Blogger in einigen grundsätzlichen Dingen zu schulen. Im besten Fall bringt der/die auserwählte/n Autor/en Schreiberfahrung und Spaß am Publizieren mit. Teams mit Mitgliedern aus verschiedenen Abteilungen sind zu empfehlen.
  4. Auch ein ernannter Blog-Administrator bedarf einer Schulung, um auch die fachliche Verantwortung übernehmen zu können.
  5. Die wichtigste Voraussetzung ist bei allen Punkten eine offene Kommunikationskultur innerhalb des Unternehmens. Wenn ihr Unternehmen nur ungern Informationen teilt, ist ein Blog nicht geeignet.

Zu investierende Zeit und erste Schritte

Wenn Sie sich für einen Azubi-Blog in Ihrem Unternehmen entscheiden, dann ist es wichtig die benötigten Ressourcen im Vorfeld zu planen. Wie bereits erwähnt kann diese Aufgabe der Pflege und Erstellung von Artikeln teilweise auf Auszubildende übertragen werden (und sollte es auch).

Mit der nachfolgenden Checkliste erhalten Sie einen ersten Überblick über benötigte Ressourcen und To do´s.

Checkliste Erste Schritte

  • Auszubildende, die Spaß am Schreiben und Publizieren haben, finden
  • Sind genügend interessante Themen zum Bespielen eines Blogs vorhanden? Hier ist es sinnvoll, mit allen Azubis Ideen für die kommenden 12 Monate zu sammeln. (mind. 12-24 Artikel).
  • Prüfen Sie die Vereinbarkeit mit unternehmensinternen Richtlinien. Ist das Unternehmen grundsätzlich bereit Informationen mit der Öffentlichkeit zu teilen? Halten Sie ggf. Rücksprache mit der Personal- und Geschäftsleitung.
  • Legen Sie einen Budget-Rahmen für das Projekt fest.
  • Sprechen Sie mit Ihrer EDV- Abteilung oder einem Berater über mögliche Blog-Systeme und treffen Sie eine Entscheidung.
  • Stimmen Sie Inhalte und Zeit mit der Abteilung Unternehmenskommunikation, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit ab.
  • Bestimmen Sie die Beteiligten am Projekt und einen Projektverantwortlichen.
  • Schulen Sie bitte Ihre Azubis für das Vorbereiten und Erstellen von Artikeln.
  • Regeln Sie Freistellungszeiten der Azubis und sprechen diese mit den Fachabteilungen ab, in denen die Azubis momentan und zukünftig eingesetzt werden.
  • Zeitpuffer: Planen Sie nicht nur die Zeit der Azubis, sondern auch Ihre Zeit als Ausbilder sowie die Zeit von Mitarbeitern aus der Marketing-Abteilung und Pressestelle mit ein. Erstellen Sie einen groben Fahrplan mit den Azubis, über welche Themen wann geschrieben werden kann.
  • Planen Sie bitte Vertretungen für Fälle wie: Abwesenheit beteiligter Azubis durch Auslandsaufenthalt, Urlaub, Krankheit, etc. ein. Spätestens einige Monate vor dessen Ausscheiden müssen Sie sich außerdem über dessen Nachfolger Gedanken machen.
  • Setzen Sie alle 4-8 Wochen Meetings mit allen am Azubi-Blog beteiligten Personen fest.
  • Erstellen Sie einen Redaktionsplan. Dieser beinhaltet konkretere Themen für die nächsten 12 Monate.
  • Bewerben Sie den zukünftigen Blog intern und extern.
  • Lassen Sie die Azubis erste Artikel schreiben und veröffentlichen.
  • Fordern Sie Feedback aktiv ein.
  • Beantworten Sie Reaktionen und Kommentare bitte zeitnah leiten mögliche Verbesserungen daraus ab.
  • Es ist wichtig, alle zwei bis vier Wochen einen neuen Artikel zu veröffentlichen. Hier spielen die Unternehmensgröße und die Anzahl der zu berichtende Rolle. Erfolgsentscheidend ist die Regelmäßigkeit der Veröffentlichungen.

Wir wünschen Ihnen viel Freude und Erfolg bei der Umsetzung.

Felix Behm ist Personalfachkaufmann und Ausbildungsexperte. Er übernahm von 2013-2016 als Personalreferent und Ausbildungsleiters in einem Gesundheitsverbund mit über 3.500 Mitarbeiter in Süddeutschland die Führung der Auszubildenden verschiedener Berufsbilder. Mit der zunehmenden Herausforderung Ausbildungsstellen optimal zu besetzen arbeitete er an der optimalen Lösung im Bereich Ausbildungsmarketing, -entwicklung und -bindung.

Seit 2017 ist er freiberuflicher Berater, Dozent und Trainer für Unternehmen und Institutionen in der Schnittstelle Schule-Wirtschaft mit dem Standort Berlin.

Mit seinem ebenfalls in 2017 gegründeten Podcast „Ausbilder-Talk“ veröffentlicht er regelmäßig Fachbeiträge und Interviews mit Experten, Unternehmer, Trainer, Schüler, Azubis und spannende Persönlichkeiten rund um das Thema betriebliche Ausbildung.

Kontakt: Felix Behm Consulting, Gaillardstr. 1A, 13187 Berlin,  www.behmconsulting.de